Ihr Ruf ist lange schon ruiniert: Die Plastiktüte gilt als Inbegriff einer Konsumgesellschaft, die auf Umweltbelange wenig Rücksicht nimmt. Dennoch schien sie bis vor Kurzem nicht totzukriegen. Untersuchungen der Europäischen Kommission z.B. haben ergeben, dass im Schnitt jeder Deutsche jährlich über 70 Einwegplastiktüten verbraucht, das sind insgesamt weit mehr als fünf Milliarden. Aneinandergereiht könnte man damit die Erde umwickeln, und zwar 39 Mal. Nur ein Zehntel dieser Tüten wird recycelt, der Rest landet im besten Falle auf den Mülldeponien, im schlimmsten Fall direkt in der Natur.

Jetzt aber geht es der Einwegplastiktüte langsam, aber sicher an den Kragen. Einer EU-Richtlinie zufolge soll sich der Pro-Kopf-Verbrauch an Plastiktüten bis 2025 auf 40 Stück im Jahr verringern. Zur Umsetzung dieser Vorgabe hat die Politik in Deutschland den Dialog mit dem Handel gesucht. Mit Erfolg: Im letzten Jahr entschied der Deutsche Einzelhandelsverband, die Abgabe kostenloser Plastiktüten aus allen Geschäften seiner Mitglieder zu verbannen. Viele Ketten gehen noch weiter: Nach den großen Drogeriefachmärkten dm, Rossmann und Müller verzichten auch Rewe, KiK oder Lidl komplett auf Plastiktüten. Nun hat auch der Discounter Penny nachgezogen. Mehr noch: Um Kunden dazu zu animieren, die umweltfreundlichere Penny-Permanenttragetasche aus Recyclingmaterial zu erwerben und zu nutzen, erhalten Kunden, die diese Tasche zum Einkauf mitbringen, einen Rabatt von zehn Cent. Die gleiche Summe spendet die Rewe-Tochter an gemeinnützige Institutionen und Vereine.


Erfahrungswerte aus anderen Ländern, in denen Plastiktüten schon länger kostenpflichtig sind, zeigen, dass solche Erziehungsmaßnahmen fruchten: In Irland z.B., wo Plastiktüten 44 Cent kosten, verringerte sich der Tütenverbrauch von 328 auf 18 pro Kopf und Jahr. Offenbar gewöhnt sich der Konsument schnell daran, Beutel mitzubringen, die mehrfach genutzt werden können. Ob diese dann aus Plastik sind, ist übrigens gar nicht so relevant – Hauptsache, sie sind lange haltbar. Mehrweg statt Einweg – diese alt bekannte Forderung von Umweltverbänden gewinnt immer mehr an Aktualität, da einerseits die Unternehmen mehr in die Pflicht genommen werden, nachhaltig zu wirtschaften, andererseits aber auch die Konsumenten immer bewusster einkaufen. Und doch gibt es immer noch zahlreiche Bereiche, in denen überflüssiger Einwegmüll produziert wird. Bestes, oder vielmehr schlechtestes Beispiel: die exzessive Verwendung von Einwegpappbechern für den Coffee-to-go. Laut einer Studie der Deutschen Umwelthilfe werden in Deutschland pro Stunde 320.000 Einwegpappbecher weggeworfen, das sind fast drei Milliarden im Jahr. Mit der für die Produktion benötigten Energie könnte man den jährlichen Strombedarf einer Kleinstadt decken – ganz zu schweigen von den 43.000 Bäumen, die gefällt werden mussten, um diese Bechermenge produzieren zu können. Die Deutsche Umwelthilfe hat daher 2015 die Aktion „Becherhelden“ ins Leben gerufen. Unterstützt von Promis wie Hannes Jaenicke, Ralph Caspers, Inka Bause oder Malu Dreyer, wurde in einer groß angelegten Kampagne dafür geworben, Mehrwegbecher zu erwerben und diese zum Point-of-Coffee mitzunehmen. An einem Aktionstag im Herbst veranstaltete die Organisation ein Protestkaffeetrinken auf dem Alexanderplatz in Berlin. Eyecatcher und „Helden“ der Aktion waren die eigens produzierten, knallgrünen Mehrwegbecher mit dem Schriftzug „Becherheld“.

Doch nicht nur Umweltinitiativen oder NGOs haben den Mehrwegtrend aufgegriffen und setzen ihn in Form von haptischen Verstärkern aufmerksamkeitsstark in Szene. Auch für werbende Unternehmen bietet der einsetzende Bewusstseinswandel eine große Chance und der Werbeartikelmarkt eine Vielzahl an Möglichkeiten. Alternativen zur Plastiktüte aus Jute, recyceltem PET oder Baumwolle gehören zu den Klassikern im Markt. Auch wiederverwertbare To-go-Becher – von einfachen Kunststoffmodellen mit individualisierbaren Papiereinlegern über aufwendig verzierte Porzellanbecher bis hin zu doppelwandigen Isolierbechern – stehen in einer großen Vielfalt zur Verfügung. Neben den klassischen Brotdosen machen jetzt auch wiederbefüllbare Snackrollen den Butterbrottüten und Frühstücksbeuteln Konkurrenz. Schreibgeräte mit Wechselminen kommunizieren Wertbeständigkeit. Absolut im Trend sind zudem Glasflaschen, die gleichzeitig ein Statement setzen, mehr Leitungswasser zu trinken.

Wer sein Logo auf Mehrwegprodukten platziert, kann auf einen im doppelten Sinne besonders nachhaltigen Werbeeffekt hoffen: Man signalisiert auf der einen Seite einer Zielgruppe, die sich um die Umwelt sorgt, dass man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, und erhöht auf der anderen Seite die Dauer der Werbepräsenz im Alltag des Kunden – denn Mehrwegprodukte haben die für Werber schöne Eigenschaft, immer wieder genutzt zu werden. So tut man Gutes für die Umwelt und für die eigene Marke.  

// Mischa Delbrouck

Bildquelle: Becherheld-Aktion Berlin (c) Bachmann/DUH (1); ChicoBag (1); obs/Rewe Markt GmbH/Meta (1)

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