tear gas3 - Die Botschaft stinkt zum HimmelAn der gewaltsamen Räumung des Istanbuler Gezi-Parks, in dem Demonstranten im Juni 2013 gegen ein Bauprojekt protestierten, entzündeten sich landesweite Massenproteste gegen den damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und seine islamkonservative Partei AKP. Mit massiver Gewalt ging die Polizei gegen die Demonstranten vor, setzte Plastikgeschosse, Knüppel, Wasserwerfer und Tränengas ein. Selmin Caliskan, zu der Zeit Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, prangerte die „völlig unangemessene Gewalt gegen friedliche Demonstranten und Misshandlungen durch die Polizei“ an. Nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation starben bei den Protesten mindestens drei Demonstranten in direkter Folge von Polizeigewalt, 8.000 Menschen wurden verletzt.

Zwei Jahre nach diesen Auseinandersetzungen wollte Amnesty International zusammen mit der Istanbuler Agentur 4129Grey an die Menschenrechtsverletzungen und den völlig unverhältnismäßigen Einsatz von Tränengas erinnern. „Obwohl so viele Menschen direkt von der Gewalt betroffen waren, verschwand das Thema recht schnell wieder aus der Öffentlichkeit. Das sollten wir im Auftrag von Amnesty ändern“, sagt Görkem Yegin, Creative Director bei 4129Grey. Um die Erinnerung an diese Tage wieder aufleben zu lassen, entwickelte die Agentur gemeinsam mit dem Parfümeur Vedat Ozan einen Duft, der dem Geruch von Tränengas sehr ähnlich ist, und setzten diesen bei der Produktion von „Duftkerzen“ ein. „Düfte sind einer der stärksten Trigger für Erinnerungen. Und so wurde aus der Kerze ein sehr kraftvolles Produkt, das wesentlich stärker wirkt als z.B. eine Anzeige, die man wegklicken oder überblättern kann“, erklärt die Kreativdirektorin.

Insgesamt wurden mehr als 500 Kerzen produziert und an Aktivisten, Journalisten und Influencer geschickt – zusammen mit der Aufforderung, sich zu erinnern und die im Gezi-Park gemachten Erfahrungen zu teilen, damit sich solche Ereignisse nicht mehr wiederholen. Dazu verwies das Mailing auf Twitter und den Hashtag #WhenItSmellsOfTearGas sowie auf eine Petition gegen den geplanten Kauf von 1,9 Mio. Tränengaskanistern durch die Türkei. „Die Botschaft hat sich enorm schnell verbreitet, nicht nur auf Twitter, sondern auch in nationalen und internationalen Zeitungen und Zeitschriften. So haben wir mit null Mediabudget Millionen von Menschen erreicht“, bilanziert Yegin.

// Andrea Bothe

www.amnesty.de
www.4129grey.com

Bildquelle: 4129Grey

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